Werkzeug

Kostenlose PV-Planungssoftware

Kostenlose Werkzeuge in diesem Fach sind gut. Sie sind nur nicht gratis: Jedes wird von jemandem bezahlt, und wer das ist, sagt mehr über seine Grenzen als jede Funktionsliste.

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Lesezeit
9 Minuten
Redaktion
Redaktion PV-Pro, Vigorek GmbH
Quellen geprüft
Fünf einzelne Handwerkzeuge auf einer Werkbank neben einem geschlossenen Werkzeugkoffer

Das Wichtigste

  1. Jedes kostenlose Werkzeug hat einen Geldgeber — öffentliche Hand, Hersteller, Grosshändler oder Softwareanbieter — und daraus folgt sein Zweck.
  2. Die öffentlichen Werkzeuge PVGIS, sonnendach.ch und SAM legen Daten und Modelle offen; SAM läuft dabei auch auf macOS.
  3. Keines der sechs Werkzeuge erzeugt eine eigene Kalkulation, eine Förderrechnung nach Landesrecht oder das Kundendokument.

Sechs Werkzeuge, vier Geldgeber

„Kostenlos“ ist keine Eigenschaft der Software, sondern eine Aussage darüber, wer sie bezahlt. In diesem Markt gibt es dafür vier Muster: die öffentliche Hand, ein Hersteller, ein Grosshändler und ein Softwareanbieter, der einen Einstieg verschenkt. Aus dem Geldgeber folgt der Zweck, und aus dem Zweck folgt die Grenze.

WerkzeugHerausgeberZugangWas es liefertWer es trägt
PVGIS 5.3 Europäische Kommission, Joint Research Centre Browser und offene Schnittstelle, ohne Anmeldung Einstrahlung, Jahres- und Monatsertrag, Zeitreihen, Horizont Öffentliche Hand (EU)
sonnendach.ch Bundesamt für Energie, mit MeteoSchweiz und swisstopo Browser, ohne Anmeldung Eignung und Potenzial je Dachfläche und Fassade in der Schweiz Öffentliche Hand (CH)
SAM 2026.7.3 National Laboratory of the Rockies (vormals NREL) Anwendung für Windows, macOS 12+ und Linux; Registrierung für den Schlüssel Technisch-wirtschaftliche Analyse, Zeitreihen, Finanzmodelle; Quelltext unter BSD-3 Öffentliche Hand (USA)
Sunny Design SMA Solar Technology Browser; Registrierung für gespeicherte Projekte Auslegung von Anlage, Speicher, Ladeinfrastruktur und Wärmeerzeugern Hersteller
PV*SOL online Valentin Software Browser, ohne Installation Vereinfachte Simulation: Jahresertrag, Performance Ratio, Eigenverbrauch Softwareanbieter
Solar.Pro.Tool (Basis) Solarmarkt GmbH Browser, Fachbetrieben vorbehalten Belegungs- und Montageplanung; weitergehende Funktionen kostenpflichtig Grosshändler

Angaben aus der Dokumentation der jeweiligen Herausgeber, abgerufen am 14. August 2026.

Wer ein Werkzeug bezahlt, bestimmt, wofür es gebaut ist. Das ist kein Vorwurf — es ist die Gebrauchsanweisung.

Was die drei Muster im Alltag bedeuten

Öffentliche Werkzeuge: die belastbare Grundlage

PVGIS, sonnendach.ch und SAM haben keinen Verkaufszweck. Ihre Daten und Modelle sind dokumentiert, ihre Grenzen ebenfalls — bei PVGIS etwa der Vorgabewert von 14 % Systemverlusten und die Frage, was der Horizont abdeckt (PVGIS-Handbuch). Genau deshalb sind sie als Grundlage brauchbar: Man kann nachlesen, woher eine Zahl kommt. Der Ratgeber dieser Seite rechnet seine Beispiele aus demselben Grund gegen PVGIS.

SAM ist der Sonderfall in dieser Reihe: eine vollwertige Anwendung mit Finanzmodellen, offenem Quelltext und einer Fassung für macOS. Wer eine zweite, unabhängige Rechnung neben seiner Planungssoftware haben will, findet hier eine — kostenlos und nachvollziehbar.

Herstellerwerkzeuge: schnell, solange man im Sortiment bleibt

SMA schreibt zu Sunny Design schlicht: „Sunny Design können Sie kostenfrei nutzen“ (SMA, Abruf 14.8.2026). Das ist ernst gemeint und im Alltag nützlich — die Auslegung ist auf die Geräte des Herstellers zugeschnitten und dort auch am genauesten. Die Prüffrage lautet nicht, ob das Werkzeug etwas taugt, sondern was passiert, wenn ein anderer Wechselrichter die bessere Wahl wäre. Dasselbe gilt sinngemäss für das Portal eines Grosshändlers; die beiden Prüfpunkte dazu stehen im Beitrag PV-Pro und Solar.Pro.Tool.

Anbieterwerkzeuge: das Schaufenster

PV*SOL online bezeichnet sich selbst als „a free tool for the calculation of PV systems“ (Valentin Software, Abruf 14.8.2026) und liefert Jahresertrag, Performance Ratio und Eigenverbrauchsanteil im Browser. Es ist die vereinfachte Schwester eines Programms, das 845 € im Jahr kostet — und genau als solche gebaut. Für eine erste Einschätzung ist das viel; für die Planung, die man unterschreiben lässt, ist es der Einstieg und nicht das Ziel.

Die Grenze, die allen sechs gemeinsam ist

Keines dieser Werkzeuge erzeugt das Dokument, mit dem ein Fachbetrieb sein Geld verdient. Konkret fehlt bei jedem von ihnen mindestens einer der folgenden vier Punkte, bei den meisten alle vier:

  • Die eigene Kalkulation. Einkaufspreise, Montagestunden, Gerüst, Elektriker, Deckungsbeitrag je Projekt — kein kostenloses Werkzeug kennt Ihre Kostenbasis.
  • Die Förderrechnung nach dem Recht des Landes. Einmalvergütung, EEG-Einspeise- vergütung und EAG-Investitionszuschuss sind drei verschiedene Rechnungen mit drei verschiedenen Rechtsständen; wer sie über einen Kamm schert, rechnet in zweien falsch.
  • Das Kundendokument. Deckblatt, Anlagenbeschrieb, Verschattungskarte, Positionsliste, Zahlungsplan — die Kette von der Rechnung zur Unterschrift.
  • Die Verantwortung. Ein kostenloses Werkzeug schuldet Ihnen keine Pflege, keine Verfügbarkeit und keine Reaktionszeit. Solange es läuft, ist das gleichgültig. An dem Tag, an dem es nicht läuft, ist es Ihr Problem.

Der teure Teil der Arbeit ist ohnehin nicht die Ertragszahl, sondern alles, was danach kommt. Wer diesen Teil in Tabellenkalkulation und Textverarbeitung erledigt, hat kein Softwareproblem — er hat ein Zahlenbruchproblem: dieselbe Zahl steht an drei Stellen und ändert sich an zweien nicht.

Wann kostenlos genügt

Ohne Umschweife: häufiger, als Softwareanbieter zugeben.

  • Für die Vorprüfung eines Standorts vor dem ersten Termin.
  • Für eine zweite Meinung zu einer Zahl, die aus einer anderen Software kommt.
  • Für Ausbildung und Einarbeitung — SAM und PVGIS legen ihre Modelle offen, das ist als Lehrmaterial schwer zu schlagen.
  • Für Betriebe, die wenige Standarddächer im Jahr belegen und ihr Angebot ohnehin von Hand schreiben.

Der Wechsel auf bezahlte Software lohnt an dem Punkt, an dem die Handarbeit zwischen Rechnung und Angebot mehr kostet als die Lizenz. Diese Rechnung kann jeder Betrieb selbst aufmachen: Wie viele Angebote im Monat, wie viele Stunden je Angebot, welcher Stundensatz. Wer dabei unter den Lizenzkosten landet, bleibt bei den kostenlosen Werkzeugen — mit gutem Grund.

Was diese Übersicht leistet

Diese Übersicht bewertet nicht, welches Werkzeug genauer rechnet. Sie nennt Herausgeber, Zugang, dokumentierten Zweck und Finanzierung, jeweils mit Abrufdatum. Funktionsumfang und Preise ändern sich; massgebend ist die Angabe des Herausgebers in ihrer aktuellen Fassung.

Häufige Fragen

Gibt es eine kostenlose PV-Planungssoftware für den Mac?

Ja: SAM vom National Laboratory of the Rockies wird für macOS 12 und neuer angeboten, ist kostenlos und quelloffen. Es rechnet Ertrag und Wirtschaftlichkeit, plant aber keine Dachbelegung und erzeugt kein Kundenangebot. PVGIS und sonnendach.ch laufen im Browser und sind damit ohnehin plattformfrei.

Reicht PVGIS für eine Ertragsprognose im Angebot?

Als Datengrundlage ja — PVGIS liefert Einstrahlung und Ertrag mit dokumentiertem Datensatz und Zeitraum. Was fehlt, ist die Verschattung des konkreten Dachs, die Modulbelegung, die Elektrik und alles, was aus der Zahl ein Angebot macht. Wer PVGIS-Zahlen verwendet, weist Datensatz, Zeitraum und Verlustannahme im Dokument aus.

Ist kostenlose Software vom Hersteller neutral?

Sie ist auf das Sortiment ihres Herausgebers ausgelegt — das ist kein Mangel, sondern ihr Zweck. Wer herstellerneutral anbieten oder eine Alternative danebenstellen will, prüft am eigenen Standardprojekt, wie sich Komponenten ausserhalb dieses Sortiments abbilden lassen.

Was kostet PV-Pro im Vergleich zu den kostenlosen Werkzeugen?

CHF 119 im Monat je Arbeitsplatz, im Jahresabonnement CHF 1'190. Der Vergleich ist nur dann fair, wenn man dieselbe Aufgabe vergleicht: Die kostenlosen Werkzeuge rechnen einen Ertrag, PV-Pro führt von der Dachaufnahme bis zur Angebotsmappe samt Kalkulation und Förderrechnung.

Quellen

  1. PVGIS — Photovoltaic Geographical Information System, Europäische Kommission (JRC) — Fassung 5.3, Strahlungsdatensatz PVGIS-SARAH3, Wetter ERA5, Zeitraum 2005–2023; abgerufen am 9.8.2026
  2. PVGIS — Benutzerhandbuch (JRC) — Vorgabewert 14 % Systemverluste; Horizont beschreibt Abschattung durch nahe Hügel und Berge; abgerufen am 9.8.2026
  3. sonnendach.ch — Bundesamt für Energie, mit MeteoSchweiz und swisstopo — Eignung und Potenzial je Dachfläche und Fassade in der Schweiz, kostenlos; abgerufen am 14.8.2026
  4. System Advisor Model (SAM) — National Laboratory of the Rockies — „a free desktop application for techno-economic analysis of energy technologies“; Fassung SAM 2026.7.3 für Windows 11/10 (64 Bit), „MacOS 12 Monterrey or later“ und Linux; quelloffen unter BSD-3; abgerufen am 14.8.2026
  5. U.S. Department of Energy — Energy Department Renames NREL „National Lab of the Rockies“ — Umbenennung des National Renewable Energy Laboratory per 1. Dezember 2025; abgerufen am 14.8.2026
  6. SMA Solar Technology — Sunny Design — „Sunny Design können Sie kostenfrei nutzen“, Nutzung im Web-Browser; abgerufen am 14.8.2026
  7. Valentin Software — PV*SOL online — „a free tool for the calculation of PV systems“, Browser, ohne Installation; abgerufen am 14.8.2026
  8. Solarmarkt — Solar.Pro.Tool — Basisnutzung kostenlos, Zusatzmodule kostenpflichtig, Zugang für Fachbetriebe; abgerufen am 6.8.2026

Alle Fundstellen zuletzt geprüft am . Tarife, Fördersätze und Preise Dritter ändern sich; massgebend ist immer die verlinkte Quelle in ihrer aktuellen Fassung.

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  1. Beitrag angelegt. Herausgeber, Zugang und Finanzierung jedes Werkzeugs an dessen eigener Seite nachgelesen; SAM-Fassung, Plattformen und Lizenz von der Herausgeberseite übernommen, Umbenennung des NREL berücksichtigt.