Vergleich
PV-Planungssoftware im Vergleich
Die Programme in diesem Markt lösen nicht dieselbe Aufgabe. Wer sie nach Funktionslisten vergleicht, vergleicht Äpfel mit Werkzeugkästen. Drei Gattungen, drei Zwecke — und die Frage, welche davon Ihr Tag verlangt.
- Stand
- Lesezeit
- 10 Minuten
- Redaktion
- Redaktion PV-Pro, Vigorek GmbH
- Quellen geprüft
Das Wichtigste
- Jede Aussage über ein fremdes Programm stammt hier aus dessen eigener Dokumentation und trägt ein Abrufdatum.
- Die drei Gattungen — Simulation, Auslegungsportal, Angebotssoftware — lösen verschiedene Aufgaben und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.
- Eine Genauigkeitsrangfolge steht hier nicht: Sie verlangt identische Eingaben, offengelegte Annahmen und eine Nachrechnung durch Dritte.
Wie dieser Vergleich zustande kommt
Jede Aussage über ein fremdes Programm in diesem Beitrag stammt aus der öffentlichen Dokumentation seines Herstellers und trägt im Quellenblock eine Fundstelle mit Abrufdatum. Was dort nicht steht, steht hier nicht — insbesondere keine Angaben zu Marktanteilen, zur Verbreitung, zur Akzeptanz bei Dritten oder zu den Absichten eines Anbieters.
Ebenso wenig finden Sie hier ein Urteil, welches Programm „genauer“ rechnet. Ein solcher Vergleich verlangt identische Eingaben, offengelegte Wetter-, Geometrie- und Komponentenannahmen, den jeweiligen Versionsstand und eine Nachrechnung durch Dritte. Solange das nicht vorliegt, wäre jede Rangfolge eine Behauptung mit Tabellenrahmen.
Die brauchbare Frage ist nicht, welches Programm gewinnt, sondern welches Dokument am Ende Ihres Tages entstehen muss.
Drei Gattungen, nicht ein Markt
Simulationswerkzeuge (PVsyst, PV*SOL) kommen aus der Ertragsrechnung. Ihre Dokumentation stellt Modul- und Wechselrichtermodelle, meteorologische Datensätze und detaillierte Verlustaufstellungen in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Simulationsbericht — ein Dokument für Fachleute.
Auslegungsportale (Solar.Pro.Tool, Sunny Design und die Konfiguratoren der Hersteller) werden von Herstellern und Grosshändlern als Dienstleistung für Fachpartner bereitgestellt und sind mit deren Sortiment und Bestellwesen verbunden. Die Basisnutzung ist in der Regel kostenlos oder günstig.
Angebotssoftware setzt am anderen Ende an: Planung, Rechnung und Kundendokument in einem Ablauf. Der Prüfstein ist nicht die Simulationstiefe, sondern das Dokument, das die Kundin am Küchentisch liest. Hier steht PV-Pro.
Die Wahl folgt daraus, was am Ende Ihres Tages entstehen muss: ein Nachweis, eine Materialliste oder ein unterschriftsreifes Angebot. Programme, die für verschiedene dieser Ergebnisse gebaut sind, lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Die Übersicht
| Programm | Plattform | Preis (Stand 8/2026) | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| PV*SOL premium Valentin Software, Berlin |
Windows 10/11 (64-Bit), .NET 4.8 | 845 € pro Jahr, zzgl. MwSt. (PV*SOL ohne „premium": 585 €) |
Simulation mit 3D-Verschattung, detaillierter Ertragsbericht |
| PVsyst 8 Professional PVsyst SA, Schweiz |
Windows | CHF 700 pro Jahr, Mengenrabatt ab 2 Lizenzen | Ertragssimulation mit Verlustdiagramm, Zeitreihen und Variantenvergleich |
| Solar.Pro.Tool Solarmarkt GmbH, Schweiz |
Browser | Basis kostenlos; Zusatzmodule (E-Designer, CAD) je nach Umfang, 30 Tage Test | Schnelle Belegung und Montageplanung, an Material und Bestellung angebunden |
| PV-Pro Vigorek GmbH, Schweiz |
macOS, nativ | CHF 119 im Monat je Arbeitsplatz, CHF 1'190 im Jahr | Planung am 3D-Modell bis zum unterschriftsreifen Angebot; Förderrecht für Schweiz, Deutschland und Österreich |
Preise und Angaben stammen von den Seiten der Anbieter, abgerufen am 6. August 2026, und sind eine Momentaufnahme. Massgebend ist jeweils die Angabe des Anbieters.
Funktion gegen Funktion
Die folgende Tabelle nennt ausschliesslich, was der jeweilige Hersteller selbst dokumentiert. Die dritte Spalte ordnet ein, ohne zu bewerten, welches Werkzeug „besser“ sei.
| Programm | Herstellerseitig dokumentierte Funktionen | Einordnung |
|---|---|---|
| PV*SOL premium | 3D-Planung und -Verschattung, Komponenten- und Lastprofildatenbanken, Batterie- und Ladeinfrastrukturmodelle, Finanzanalyse, anpassbare Berichte und Datenexport | Breit angelegtes Simulations- und Berichtswerkzeug. Aus dem Funktionsumfang folgt kein Urteil darüber, ob es für ein bestimmtes Kundenangebot passt. |
| PVsyst | 3D-Nahverschattung, Einstrahlungs- und elektrische Mismatchverluste, Ergebnisbericht mit Verlustdiagramm, Zeitreihen und Variantenvergleich | Die eigene Hilfe erläutert die Vereinfachungen und Grenzen der Verschattungsmodelle. Genau das gehört in einen Vergleich — und nicht das Wort „exakt“. |
| Solar.Pro.Tool | Browserbasierte Belegungs- und Montageplanung für Auf-, In- und Flachdach; Zusatzmodule für Wechselrichterauslegung, Stringplan, Wirtschaftlichkeit und CAD-Austausch | Vom Betreiber als Dienstleistung für Fachpartner beschrieben, mit Anbindung an Sortiment und Bestellung. Zugang auf Fachbetriebe beschränkt. |
| PV-Pro | Planung am 3D-Modell, jährliche Verschattungsfaktoren je Modul, getrennte Behandlung von direkter, diffuser und bodenreflektierter Einstrahlung, Übernahme amtlicher Schweizer Geodaten, String- und Wechselrichterprüfung gegen hinterlegte Komponentenwerte, Zeitreihen für Eigenverbrauch und Speicher, Förderrechnung nach dem Recht des jeweiligen Landes (Einmalvergütung CH, EEG-Einspeisevergütung DE, EAG-Investitionszuschuss AT), Angebotspositionen und PDF-Mappe | Auf den Weg von der Aufnahme bis zum Kundendokument ausgelegt. Die Aussagekraft jedes Ergebnisses hängt an Modellqualität, Datenstand und Annahmen; die Methodik nennt sie. |
Angaben zu fremden Produkten aus der jeweils verlinkten Herstellerdokumentation, abgerufen am 6. beziehungsweise 9. August 2026. Massgebend ist die Angabe des Anbieters in ihrer aktuellen Fassung.
Worin sie sich unterscheiden
Plattform
Valentin Software nennt für PV*SOL premium Windows 10 und 11 (64-Bit) als Systemvoraussetzung, PVsyst wird für Windows angeboten. Auf einem Mac bedeutet beides eine Virtualisierungsschicht. Solar.Pro.Tool läuft im Browser und ist damit plattformfrei. PV-Pro ist eine native macOS-Anwendung; das ist relevant für Betriebe, die ohnehin auf Apple-Geräten arbeiten, und irrelevant für alle anderen.
Datengrundlage
Die Simulationswerkzeuge bringen eigene Wetterdatensätze und Bauteildatenbanken mit. PV-Pro stützt sich auf öffentliche Primärquellen: PVGIS für Einstrahlung und Wetter, amtliche Schweizer Gebäude- und Kartenquellen für Geometrie. Für Schweizer Standorte lässt sich damit ein Planungsentwurf aus amtlichen Daten aufbauen, statt die Umgebung zu schätzen. Die Grenzen dieser Daten nennt der Herausgeber selbst: Genauigkeit „in Lage und Höhe ±30cm - 50cm“, „Dachdetails sowie kleinere Dachaufbauten und Gauben sind grundsätzlich nicht vorhanden“, Nachführung alle drei Jahre (swisstopo, Abruf 9.8.2026). Fehlende Geometrie und unbestätigte Höhen bleiben deshalb im Planungsablauf gekennzeichnet, statt stillschweigend ergänzt zu werden.
Vom Ergebnis zum Angebot
Hier trennen sich die Gattungen am deutlichsten — nicht danach, was ein Programm kann, sondern danach, worauf sein Ergebnis ausgelegt ist. Valentin Software dokumentiert für PV*SOL anpassbare Berichte und Datenexport; ein Bericht ist auf die fachliche Nachvollziehbarkeit ausgerichtet. Ein Angebot ist auf eine Unterschrift ausgerichtet und enthält Positionen, Preise, Zahlungsbedingungen und eine Wirtschaftlichkeitsrechnung in Kundensprache. Welche Brücke zwischen beidem nötig ist, entscheidet der eigene Ablauf — dort, wo sie über Tabellenkalkulation und Textverarbeitung führt, entstehen die Zahlenbrüche.
Regionale Regelwerke
Förderung ist laufende Pflegearbeit, kein Funktionshaken — und im deutschsprachigen Raum drei verschiedene Rechnungen. Die Schweiz fördert die Investition über die Einmalvergütung, Deutschland den erzeugten Strom über die EEG-Einspeisevergütung mit ihrer Festschreibung über 20 Jahre, Österreich über einen Investitionszuschuss nach dem EAG, der aber nur bei Zuschlag fliesst. Wer diese drei Fälle über einen Kamm schert, rechnet in mindestens zwei davon falsch — ein Einspeisetarif mindert die Investition nicht, und ein Zuschuss ohne Zuschlag ist keine sichere Position.
PV-Pro trennt sie deshalb nach Recht statt nach Sprache und stellt Währung, Zahlformat und Rechtschreibung auf den Firmensitz um. Schweizspezifisch bleiben heute das EIV-Förderwerkzeug mit seinen Kategorien, die kantonale Gliederung und die hinterlegten Marktpreis-Spannen; im deutschen und österreichischen Betrieb sind diese Stellen einzeln abgeschaltet statt mit Schweizer Werten gefüllt. Ob ein anderes Programm die Regeln eines Landes abbildet, steht in dessen Dokumentation und nicht in einer Vermutung über seinen Herkunftsmarkt.
Welches Werkzeug wofür
Nicht als Rangfolge, sondern als Entscheidungsmatrix — nach dem Dokument, das entstehen muss:
| Was am Ende dastehen muss | Wonach zu suchen ist |
|---|---|
| Ertragsgutachten für einen Investor oder eine Bank | Ein Simulationsprogramm mit dokumentierter Verlustaufstellung, Zeitreihen und Variantenvergleich — und die Anforderung des Auftraggebers, welches Programm er akzeptiert. Diese Frage beantwortet der Auftraggeber, nicht ein Ratgeber. |
| Detaillierte Simulation mit 3D-Verschattung | Ein Werkzeug der ersten Gattung; die Plattformfrage vorher klären. |
| Schnelle Belegung samt Materialliste und Bestellung | Das Portal des Grosshändlers, mit dem Sie ohnehin arbeiten. Prüfen Sie, wie sich Komponenten ausserhalb seines Sortiments abbilden lassen, wenn Sie herstellerneutral anbieten wollen. |
| Unterschriftsreifes Kundenangebot mit der Förderrechnung des eigenen Landes | Ein Werkzeug, das von der Aufnahme bis zum Dokument durchläuft und Einmalvergütung, EEG-Einspeisevergütung oder EAG-Zuschuss nach dem jeweiligen Recht rechnet — dafür ist PV-Pro gebaut. |
Dieser Vergleich sagt nichts darüber, welches Programm genauer rechnet, welches verbreiteter ist oder welches ein Prüfer bevorzugt. Er sagt, welche Funktionen die Hersteller dokumentieren und welche Aufgabe damit erkennbar gemeint ist. Für alles Weitere führt der Weg über eine Testfassung am eigenen Projekt.
Häufige Fragen
Läuft PV*SOL oder PVsyst auf einem Mac?
Nicht nativ. Valentin Software nennt für PV*SOL premium Windows 10 und Windows 11 (64-Bit) samt .NET Framework 4.8 als Systemvoraussetzung (Stand August 2026). Auf Apple-Geräten bleibt der Weg über eine Virtualisierung oder einen zweiten Rechner.
Ist kostenlose Software vom Grosshändler eine Alternative?
Für die schnelle Auslegung durchaus. Der Betreiber beschreibt sie als Dienstleistung für seine Fachpartner, verbunden mit Sortiment und Bestellung. Wer herstellerneutral anbieten oder eine Alternative danebenstellen will, prüft vorher, wie sich Komponenten ausserhalb dieses Sortiments abbilden lassen.
Brauche ich für ein Kundenangebot eine Simulationssoftware?
Für die Ertragsaussage brauchen Sie eine belastbare Rechnung — ob sie aus einem eigenständigen Simulationsprogramm oder aus der Angebotssoftware kommt, ist zweitrangig, solange Datengrundlage und Verschattung stimmen und die Annahmen ausgewiesen sind. Welches Programm ein Auftraggeber für ein förmliches Gutachten akzeptiert, legt dieser fest; das ist vorab zu klären und nicht aus einem Ratgeber ableitbar.
Quellen
- Valentin Software — PV*SOL premium, Systemanforderungen und Preis — abgerufen am 6.8.2026: 845,00 EUR zzgl. MwSt., Windows 10/11 (64-Bit)
- Valentin Software — PV*SOL Online-Hilfe — Dokumentierter Funktionsumfang: 3D-Verschattung, Lastprofile, Batterie, Finanzanalyse, Berichte; abgerufen am 9.8.2026
- Valentin Software Shop — Mietlizenzen — abgerufen am 6.8.2026: PV*SOL 2026 Mietlizenz 1 Jahr 585,00 EUR zzgl. MwSt.
- PVsyst — Hilfe: Verschattungsberechnung und Modell — Beschreibt Vorgehen, Vereinfachungen und Grenzen der Verschattungsmodelle; abgerufen am 9.8.2026
- PVsyst — Hilfe: Ergebnisse und Verlustdiagramm — Dokumentierte Ergebnisgrössen, Verlustaufstellung und Variantenvergleich; abgerufen am 9.8.2026
- PVsyst — Shop und Lizenzen — abgerufen am 6.8.2026: PVsyst 8 Professional CHF 700 pro Jahr
- Solarmarkt — Solar.Pro.Tool — Lizenzmodelle, Funktionsumfang und Zugangsbedingungen, abgerufen am 6.8.2026
Alle Fundstellen zuletzt geprüft am . Tarife, Fördersätze und Preise Dritter ändern sich; massgebend ist immer die verlinkte Quelle in ihrer aktuellen Fassung.
Redaktion und Pflege
- Verantwortlich
- Redaktion PV-Pro, Vigorek GmbH
- Veröffentlicht
- Zuletzt geändert
- Methodik
- So entstehen die Rechenbeispiele
- Rückmeldung
- info@vigosky.com
- Beitrag veröffentlicht.
- Markt-, Akzeptanz- und Preisurteile entfernt („Referenz“, „ohne Rückfrage akzeptiert“, „unschlagbar“, „viele Betriebe fahren zweigleisig“). Stattdessen Funktionsmatrix aus Herstellerdokumentation, Entscheidungsmatrix nach Zieldokument und Offenlegung der Vergleichsmethode.