Auslegung
Flachdach: Wie viel Ertrag auf dieselbe Fläche passt
Auf dem Schrägdach entscheidet das Dach über die Ausrichtung. Auf dem Flachdach entscheidet der Planer — und zwar über zwei Grössen, die gegeneinander laufen: Ertrag je Modul und Ertrag je Quadratmeter Dachfläche.
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- Redaktion PV-Pro, Vigorek GmbH
- Quellen geprüft
Das Wichtigste
- Auf dem Flachdach laufen zwei Kennzahlen gegeneinander: Ertrag je Kilowatt-Peak steigt mit der Neigung, Ertrag je Quadratmeter Dachfläche steigt mit der Belegungsdichte.
- Der Reihenabstand folgt aus dem Profilwinkel am Auslegungszeitpunkt — für Zürich 19,2° am Mittag des 21. Dezember, 11,1° für ein Fenster von 9 bis 15 Uhr; die Wahl dieses Zeitpunkts verändert die Belegung um mehr als die Neigung.
- Ost-West bringt in der Rechnung rund 93 Prozent mehr Ertrag je Quadratmeter Dach als Süd 30°, kostet aber rund 18 Prozent Ertrag je installiertem Kilowatt-Peak.
Zwei Zahlen, die nicht dasselbe sagen
Jede Flachdachplanung beantwortet stillschweigend eine Frage, die selten ausgesprochen wird: Was ist knapp — die Fläche oder das Geld?
- Kilowattstunden je Kilowatt-Peak misst, wie gut die eingebaute Leistung arbeitet. Das ist die Zahl für die Rendite je investiertem Franken. Sie steigt mit der Neigung Richtung Süd.
- Kilowattstunden je Quadratmeter Dachfläche misst, wie viel Ertrag das Grundstück hergibt. Das ist die Zahl, wenn das Dach die Grenze ist — und sie steigt mit der Belegungsdichte, also genau gegenläufig.
Auf dem Schrägdach fallen beide zusammen, weil die Fläche ohnehin geneigt ist und Reihen sich nicht gegenseitig verschatten. Auf dem Flachdach trennen sie sich, und zwar drastisch: Zwischen der besten Variante je kWp und der besten je Quadratmeter liegt in der Rechnung unten fast der Faktor zwei.
Der Reihenabstand ist eine Winkelfrage
Aufgeständerte Reihen verschatten sich gegenseitig, sobald die Sonne tief steht. Massgebend ist nicht die Sonnenhöhe, sondern der Profilwinkel: der Winkel der Sonne, projiziert in die Ebene senkrecht zur Reihe. Er ergibt sich aus Sonnenhöhe und Azimut und ist immer grösser oder gleich der Sonnenhöhe.
Eingabe
Standort Zürich, 47,3769° N. Stichtag 21. Dezember (tiefster Sonnenstand). Modul quer montiert, Tafelhöhe 1,134 m (kurze Kante eines gängigen Moduls mit 1'762 × 1'134 mm).
Modell
Sonnenhöhe und Azimut aus Deklination und Stundenwinkel (Gleichungssatz des NOAA Solar Calculator). Profilwinkel αp aus tan αp = tan γs ÷ cos Δψ. Tafelhöhe h = 1,134 m × sin β, Schattenlänge s = h ÷ tan αp, Reihenperiode = Grundrisstiefe + s.
Ausgabe
Am 21. Dezember um 12 Uhr wahrer Ortszeit steht die Sonne 19,20° hoch, der Profilwinkel ist gleich der Sonnenhöhe. Um 9 und um 15 Uhr steht sie 8,45° hoch bei 41,0° Azimut — der Profilwinkel beträgt dann 11,13°.
Grenze
Der Stichtag ist eine Konvention, kein Optimum. Ein Feld, das am 21. Dezember zwischen 9 und 15 Uhr schattenfrei ist, verschenkt an 364 anderen Tagen Fläche; ein enger gestelltes Feld verliert an wenigen Wintertagen Ertrag, den es im Sommer mehrfach zurückholt. Welche Variante mehr liefert, sagt nur eine Simulation über den Jahresgang.
Gegenprobe: Am Tag der Wintersonnenwende gilt für den Mittagsstand die geschlossene Form 90° − Breitengrad + Deklination, also 90° − 47,3769° − 23,42° = 19,20°. Der numerische Wert stimmt mit der Rechnung überein.
Dass 19,2° und 11,1° keine akademischen Werte sind, zeigt ein Blick in ein Herstellerdatenblatt: Das Flachdachsystem eines Schweizer Anbieters bietet drei Gehwegbreiten an und nennt dazu die resultierenden Verschattungswinkel 26°, 18° und 9° (Ernst Schweizer, MSP-FR-S, Ausgabe 01/2024). Die mittlere Variante entspricht ungefähr der Auslegung „schattenfrei am Mittag des kürzesten Tages“, die weiteste ungefähr „schattenfrei von 9 bis 15 Uhr“. Der Markt hat also längst parametrisiert, was hier gerechnet wird.
Die Rechnung für ein Zürcher Flachdach
Ertragswerte aus demselben PVGIS-Abruf, den auch die übrigen Beiträge dieses Ratgebers verwenden — 10 kWp, 14 Prozent Systemverluste, Fassung 5.3 mit PVGIS-SARAH3 und ERA5 über 2005–2023:
https://re.jrc.ec.europa.eu/api/v5_3/PVcalc
?lat=47.3769&lon=8.5417 # Zürich, 416 m ü. M.
&peakpower=10 # kWp
&angle=10|20|30 # Neigung
&aspect=0|-90|90 # Süd | Ost | West
&loss=14 # Systemverluste in Prozent
&outputformat=json
Modul für die Flächenrechnung: 1'762 × 1'134 mm, 445 Wp
= 223 Wp je m2 Modulfläche
Belegung = Tafelhöhe / Reihenperiode (Süd) bzw.
2 × Tafelhöhe / Paarperiode (Ost-West, 150 mm Gasse)
| Variante | Auslegung | Belegung | kWh/kWp | Wp/m² Dach | kWh/m² Dach | davon Okt–Mär |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Süd 10° | Verschattungswinkel 26° | 75 % | 1'055 | 166 | 175 | 52 |
| Süd 10° | 18° (Mittag 21.12.) | 66 % | 1'055 | 147 | 155 | 46 |
| Süd 10° | 9° (9–15 Uhr 21.12.) | 48 % | 1'055 | 107 | 113 | 33 |
| Süd 20° | 18° | 50 % | 1'112 | 112 | 124 | 40 |
| Süd 30° | 18° | 42 % | 1'145 | 93 | 106 | 36 |
| Ost-West 10° | Gasse 150 mm | 95 % | 962 / 969 | 212 | 205 | 55 |
Je Kilowatt-Peak liefert Süd 30° rund 18 Prozent mehr als Ost-West. Je Quadratmeter Dachfläche liefert Ost-West rund 93 Prozent mehr als Süd 30°.
Zwei Beobachtungen, die in der Diskussion regelmässig untergehen:
- Die Neigung ist der kleinere Hebel, der Reihenabstand der grössere. Zwischen Süd 10° und Süd 30° liegen 8,5 Prozent Ertrag je kWp. Zwischen der engsten und der weitesten Gassenwahl bei gleicher Neigung liegt der Faktor 1,6 in der Belegung — 75 gegen 48 Prozent.
- Auch im Winterhalbjahr liegt Ost-West je Dachfläche vorne — 55 gegen 36 kWh/m² gegenüber Süd 30°. Der Vorsprung stammt nicht aus besserer Ausrichtung, sondern aus der Menge Modul, die auf dieselbe Fläche passt.
Die Spalte „kWh/m² Dach“ multipliziert den PVGIS-Ertrag je kWp mit der geometrischen Belegungsdichte. Sie enthält keine gegenseitige Verschattung — bei den Südvarianten ist das die Auslegungsannahme (am Stichtag schattenfrei), bei Ost-West ist es eine echte Auslassung: Ost-West-Reihen verschatten sich am frühen Morgen und späten Abend gegenseitig, und dieser Verlust ist im Wert von 205 kWh/m² nicht abgezogen. Ebenso wenig enthalten sind Randabstände, Dachaufbauten, Brandschutzgassen und Wartungswege. Der Vergleich zeigt die Grössenordnung des Effekts, nicht den Ertrag eines konkreten Dachs.
Was das Montagesystem vorgibt
Wer die Reihen frei wählt, plant an der Realität vorbei: Ballastierte Systeme sind Windbauwerke, und der Hersteller definiert ihren Rahmen. Aus dem Datenblatt eines in der Schweiz gebauten Systems (Ernst Schweizer, MSP-FR-S und MSP-FR-EW):
- Neigungswinkel 8° bis 10°, je nach Modulbreite — bei beiden Varianten. Die auf dem Schrägdach übliche 30°-Diskussion findet auf dem ballastierten Flachdach gar nicht statt.
- Randabstand: mindestens 1'500 mm im Süd-System (500 mm nur mit erhöhten Windkraftbeiwerten), aber nur 150 mm im Ost-West-System. Auf einem kleinen Dach entscheidet dieser Unterschied allein schon über die Modulzahl.
- Blockgrösse maximal 14 × 14 m — grössere Felder werden aufgeteilt, was weitere Gassen kostet.
- Anforderungen an das Dach: Neigung ≤ 3,0°, Dauerdruckfestigkeit der Dämmung ≥ rund 10 kN/m², Reibungskoeffizient 0,3 bis 0,8 je nach Dichtungsbahn.
Der letzte Punkt ist der, an dem Projekte scheitern: Ein ballastiertes Feld hält durch Reibung und Gewicht. Beides hängt an der Dachhaut und an der Dämmung darunter — und die Windlast selbst kommt aus der Norm SIA 261, gerechnet mit Gebäudehöhe, Lage, Geländekategorie und Feldposition. Randfelder und Ecken tragen ein Vielfaches der Last des Feldinneren.
PV-Pro rechnet keinen Ballast und keine Windlast. Die Belegung, der Reihenabstand, die Verschattung und der Ertrag kommen aus der Planung; die Standsicherheit kommt aus der Auslegungssoftware des Systemherstellers und, wo nötig, aus einer Tragwerksbeurteilung. Wer eine Belegung aus einem Planungswerkzeug übernimmt, ohne sie ballastieren zu lassen, hat kein Ergebnis, sondern eine Absichtserklärung.
Was das Baurecht begrenzt
Für Dächer in Bau- und Landwirtschaftszonen kennt das Bundesrecht ein Meldeverfahren statt einer Baubewilligung, sofern die Anlage „genügend angepasst“ ist. Für Flachdächer gilt dabei eine eigene Alternative: Die Anlage darf die Oberkante des Dachrandes um höchstens einen Meter überragen, muss von der Dachkante so weit zurückversetzt sein, dass sie von unten in einem Winkel von 45 Grad betrachtet nicht sichtbar ist, und nach dem Stand der Technik reflexionsarm ausgeführt werden (Art. 32a Abs. 1bis RPV).
Beide Bedingungen sind Planungsgrössen, keine Formalitäten:
- Die Systemhöhe von 280 bis 300 mm plus Modul bleibt bequem unter einem Meter — solange die Aufständerung flach bleibt. Eine 30°-Aufständerung mit langer Tafel reisst diese Grenze.
- Der 45-Grad-Rückversatz kostet Fläche in genau der Grössenordnung, die auch der Hersteller für den Randabstand verlangt. Beides zusammen ist der Grund, warum kleine Flachdächer selten so viel Leistung tragen, wie die reine Fläche verspricht.
Bewilligungsfreie Vorhaben sind vor Baubeginn der zuständigen Behörde zu melden; Frist und Unterlagen legt das kantonale Recht fest (Art. 32a Abs. 3 RPV). Der Weg dorthin steht in Anmelden, anschliessen, abnehmen.
Wie entschieden wird
Eine brauchbare Reihenfolge für die Auslegung eines Flachdachs:
- Grenze bestimmen. Ist die Dachfläche knapp oder das Budget? Danach richtet sich, welche der beiden Kennzahlen oben zählt.
- Verbrauch dagegenhalten. Bei tiefen Rückliefertarifen zählt der Anteil, der im Haus bleibt — Ost-West trifft mit dem breiteren Tagesgang oft besser als die Südspitze. Siehe Was der eingespeiste Strom noch wert ist.
- Dach und System prüfen. Neigung, Dichtungsbahn, Dämmung, zulässige Zusatzlast, Randabstände, Blockgrössen — bevor irgendein Modul gesetzt wird.
- Verschattung rechnen statt schätzen. Reihenverschattung, Aufbauten, Attika und Nachbargebäude wirken zusammen; die Wirkung auf den Ertrag hängt zusätzlich an der Verschaltung. Siehe Verschattungsanalyse.
Häufige Fragen
Welche Neigung ist auf dem Flachdach optimal?
Für den Ertrag je Kilowatt-Peak: möglichst steil Richtung Süd — in Zürich liefert 30° rund 8,5 Prozent mehr als 10°. Für den Ertrag je Quadratmeter Dachfläche: möglichst flach, weil die Reihen dann enger stehen dürfen. Ballastierte Systeme werden deshalb typischerweise mit 8 bis 10 Grad gebaut. Was im Einzelfall besser ist, entscheidet, ob die Fläche oder das Budget die Grenze setzt.
Wie berechnet man den Reihenabstand?
Über den Profilwinkel am Auslegungszeitpunkt: Tafelhöhe geteilt durch den Tangens dieses Winkels ergibt die Schattenlänge, dazu kommt die Grundrisstiefe der Tafel. Für Zürich beträgt der Profilwinkel am 21. Dezember um 12 Uhr 19,2 Grad, um 9 und 15 Uhr noch 11,1 Grad. Der zweite Wert verdoppelt den Abstand nahezu — deshalb ist die Wahl des Auslegungszeitpunkts die eigentliche Entscheidung.
Lohnt sich Ost-West gegenüber Süd?
Wenn das Dach die Grenze ist, fast immer: In der Rechnung oben liefert Ost-West bei 10 Grad rund 205 kWh je Quadratmeter Dachfläche gegenüber 106 bei Süd 30 Grad. Wenn dagegen jede investierte Kilowattstunde zählt, liegt Süd vorne — je kWp rund 18 Prozent. Dazu kommt der flachere, breitere Tagesgang, der bei hohem Eigenverbrauch ein eigenes Argument ist.
Wie viel Ballast braucht ein Flachdachsystem?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten und gehört nicht in ein Planungswerkzeug, sondern in die Auslegung des Systemherstellers: Windlast nach SIA 261 mit Gebäudehöhe, Geländekategorie und Feldposition, dazu Reibungskoeffizient der Dachbahn, Schneelast und die zulässige Zusatzlast des Tragwerks. Randfelder und Ecken brauchen ein Vielfaches des Feldinneren.
Braucht eine Flachdachanlage eine Baubewilligung?
In Bau- und Landwirtschaftszonen genügt das Meldeverfahren, wenn die Anlage genügend angepasst ist. Für Flachdächer nennt Artikel 32a Absatz 1bis RPV dafür drei Bedingungen: höchstens einen Meter über der Oberkante des Dachrandes, von unten im 45-Grad-Winkel nicht sichtbar, reflexionsarm. Kantonales Recht kann verhältnismässige Gestaltungsvorschriften vorsehen, und geschützte Objekte sind ausgenommen.
Quellen
- PVGIS — Photovoltaic Geographical Information System, Europäische Kommission (JRC) — Fassung 5.3, Strahlungsdatensatz PVGIS-SARAH3, Wetter ERA5, Zeitraum 2005–2023; abgerufen am 9.8.2026
- PVGIS — Benutzerhandbuch (JRC) — Vorgabewert 14 % Systemverluste; Horizont beschreibt Abschattung durch nahe Hügel und Berge; abgerufen am 9.8.2026
- Ernst Schweizer AG — Datenblatt PV-Montagesystem Flachdach Süd MSP-FR-S — Ausgabe 01/2024; Neigungswinkel 8–10°, Randabstand min. 1500 mm (500 mm mit erhöhten Windkraftbeiwerten), Blockgrösse max. 14 × 14 m, Gehwegvarianten mit Verschattungswinkel 26°, 18° und 9°; abgerufen am 13.8.2026
- Ernst Schweizer AG — Datenblatt PV-Montagesystem Flachdach Ost-West MSP-FR-EW — Ausgabe 09/2023; Neigungswinkel 8–10°, min. Randabstand 150 mm, Dachneigung ≤ 3,0°, Dauerdruckfestigkeit der Dämmung ≥ ca. 10 kN/m²; abgerufen am 13.8.2026
- SIA 261:2020 — Einwirkungen auf Tragwerke — Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein; massgebende Norm für Wind- und Schneelasten in der Schweiz, kostenpflichtig; Ausgabe 2020 als Teilrevision der Ausgabe 2014; abgerufen am 13.8.2026
- Raumplanungsverordnung (RPV, SR 700.1), Stand 1. Januar 2026 — Artikel 32a: bewilligungsfreie Solaranlagen auf Dächern, Absatz 1bis mit der Sonderregel für Flachdächer; Fassung der Absätze gemäss AS 2022 357 und AS 2025 659; abgerufen am 13.8.2026
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- Beitrag angelegt. Sonnenstand und Reihengeometrie selbst gerechnet (Gleichungssatz NOAA, Gegenprobe über die geschlossene Form am Mittag der Wintersonnenwende), Ertragswerte aus sechs PVGIS-Abrufen vom 13.8.2026, Systemmasse aus zwei Herstellerdatenblättern, Baurecht aus dem Verordnungstext in der Fassung vom 1.1.2026. Die Ost-West-Zahl enthält bewusst keine gegenseitige Verschattung; das steht als Grenze am Ergebnis.