Wirtschaftlichkeit

Eigenverbrauch, Autarkie, Speicher: drei Zahlen, die ständig verwechselt werden

Zwei Prozentzahlen entscheiden über die Wirtschaftlichkeit einer Anlage — und werden regelmässig durcheinandergebracht. Sie haben denselben Zähler nicht und beantworten verschiedene Fragen.

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7 Minuten
Redaktion
Redaktion PV-Pro, Vigorek GmbH
Quellen geprüft
Hausspeicher im Technikraum mit Blick auf ein Schweizer Solarhaus und ein ladendes Elektroauto

Das Wichtigste

  1. Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad teilen denselben Zähler und haben verschiedene Nenner — sie bewegen sich gegenläufig und lassen sich nicht gleichzeitig maximieren.
  2. Für die Auslegung genügt kein Jahreswert: Nur eine Zeitreihe zeigt, was tatsächlich zur selben Stunde anfällt.
  3. Die Speichergrösse folgt aus dem abendlichen Überschuss, nicht aus der Anlagenleistung — und jede weitere Kilowattstunde trägt weniger.

Die beiden Quoten

Eigenverbrauchsquote = selbst verbrauchter Solarstrom ÷ erzeugter Solarstrom. Sie beantwortet: Wie viel von dem, was das Dach produziert, bleibt im Haus?

Autarkiegrad = selbst verbrauchter Solarstrom ÷ gesamter Stromverbrauch. Sie beantwortet: Wie viel von dem, was das Haus braucht, kommt vom Dach?

Beide teilen denselben Zähler und haben verschiedene Nenner. Sie bewegen sich gegenläufig: Eine grössere Anlage senkt die Eigenverbrauchsquote und hebt den Autarkiegrad. Wer für ein Angebot beide gleichzeitig maximieren will, sucht etwas, das es nicht gibt.

Wirtschaftlich zählt in aller Regel die Eigenverbrauchsquote: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Bezugspreis, jede eingespeiste bringt nur die Rückliefervergütung — in der Schweiz je nach Netzbetreiber ein Bruchteil davon. Der Autarkiegrad ist die Zahl, die Kundinnen und Kunden emotional anspricht. Beides gehört ins Angebot, aber die Rechnung folgt der ersten.

Warum der Jahreswert für die Auslegung nicht genügt

Eine Jahresbilanz suggeriert, eine Anlage mit gleichem Jahresertrag und Jahresverbrauch sei autark. Sie ist es nicht: Erzeugung und Verbrauch fallen zu verschiedenen Zeiten an — über den Tag (Mittagsspitze gegen Abendverbrauch) und über das Jahr (Sommerüberschuss gegen Winterdefizit).

Eine belastbare Rechnung braucht deshalb Zeitreihen: Erzeugung und Verbrauch in Stundenschritten oder feiner, über ein volles Jahr. Erst der Vergleich Stunde für Stunde ergibt, was tatsächlich zusammenfällt. Alles andere ist Interpolation.

Für den Verbrauch heisst das: Ein Lastprofil muss zum Haushalt passen. Ein Vierpersonenhaushalt mit Homeoffice hat ein anderes Profil als ein Paar, das tagsüber ausser Haus ist — bei identischem Jahresverbrauch. Wärmepumpe und Ladestation verändern das Bild erneut, und zwar zugunsten der Anlage: Beide erhöhen den Verbrauch und lassen sich zeitlich in die Sonnenstunden verschieben. Wie weit diese Verschiebbarkeit gegenüber einem Speicher trägt, ist eine Frage des Lastprofils und gehört gerechnet — im Vergleich beider Varianten am selben Profil, nicht als allgemeine Rangfolge.

Wie gross soll der Speicher sein?

Die Speichergrösse folgt aus dem abendlichen Überschuss, nicht aus der Anlagengrösse. Faustformeln wie „ein Kilowattstunde je Kilowatt-Peak" führen in beide Richtungen in die Irre, weil sie den Verbrauch nicht kennen.

Der Zusammenhang ist stark degressiv: Die ersten Kilowattstunden Speicher heben den Eigenverbrauch deutlich, jede weitere weniger. Ab einem gewissen Punkt speichert die Batterie Energie, die am selben Abend gar nicht gebraucht wird — sie steht am nächsten Morgen noch voll da und blockiert die Aufnahme des neuen Tages. Wegen dieser Sättigung trägt jede weitere Kilowattstunde Speicher weniger Nutzen, während sie voll bezahlt wird. Ab welcher Grösse das kippt, zeigt der Vergleich mehrerer Speichergrössen am selben Lastprofil — nicht eine Faustregel.

Was in die Rechnung gehört, damit sie stimmt:

  • Nutzbare statt nomineller Kapazität (Entladetiefe beachten)
  • Wirkungsgrad des Umlaufs (Laden und Entladen zusammen, üblich sind Werte im Bereich um 90 %)
  • Standby-Verbrauch des Systems — er läuft rund um die Uhr und frisst bei kleinen Speichern einen spürbaren Anteil des Nutzens
  • Lade- und Entladeleistung: Ein Speicher, der die Mittagsspitze nicht aufnehmen kann, ist in der Bilanz kleiner als auf dem Datenblatt
  • Kalendarische und zyklische Alterung über die Betrachtungsdauer

Die Kennzahlen, die ins Angebot gehören

Für eine Entscheidung reichen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad nicht. Dazu gehören:

  • Stromgestehungskosten — was die eigene Kilowattstunde über die Laufzeit kostet, verglichen mit dem Bezugspreis
  • Jährliche Einsparung, getrennt nach vermiedenem Bezug und Rücklieferung
  • Amortisationsdauer, mit den Annahmen daneben: Strompreisentwicklung, Rückliefervergütung, Zinssatz
  • Der Vergleich mit und ohne Speicher — als zwei Rechnungen nebeneinander, nicht als Behauptung

Entscheidend ist, dass die Annahmen sichtbar sind. Eine Amortisation von acht Jahren ist keine Aussage, solange nicht danebensteht, mit welcher Strompreissteigerung sie gerechnet wurde. PV-Pro weist diese Annahmen im Angebot aus und stellt Varianten nebeneinander, statt eine Zahl ohne Herkunft zu drucken.

Häufige Fragen

Welche Eigenverbrauchsquote ist realistisch?

Ohne Speicher liegt sie bei einem typischen Einfamilienhaus im niedrigen bis mittleren Bereich, weil die Erzeugung mittags anfällt und der Verbrauch abends. Mit Speicher, Wärmepumpe oder Ladestation steigt sie deutlich. Eine belastbare Zahl ergibt sich erst aus dem Lastprofil des konkreten Haushalts — jede Pauschalangabe ist geraten.

Lohnt sich ein Speicher?

Das hängt an drei Grössen: Preisdifferenz zwischen Bezug und Rücklieferung, abendlicher Überschuss und Speicherpreis. Je grösser die Differenz und je höher der Abendverbrauch, desto eher. Die Frage lässt sich nur mit Zeitreihen beantworten, nicht mit einer Faustregel — und die Antwort fällt für zwei Haushalte mit gleichem Jahresverbrauch unterschiedlich aus.

Erhöht eine Wärmepumpe den Eigenverbrauch?

Ja, deutlich — sie hebt den Verbrauch und lässt sich zeitlich in die Sonnenstunden verschieben. Zugleich fällt ihr grösster Bedarf in den Winter, wenn die Anlage am wenigsten liefert. Beides gehört in dieselbe Rechnung: Der Jahreswert steigt, das Winterdefizit bleibt.

Quellen

  1. EnergieSchweiz — Bundesamt für Energie — Grundlagen zu Eigenverbrauch und Eigenverbrauchsgemeinschaften in der Schweiz
  2. Swissolar — Batteriespeicher — Branchenverband Schweiz, Grundlagen zu Speichern im Eigenverbrauch
  3. ElCom — Strompreis-Übersicht der Schweizer Netzbetreiber — Amtliche Übersicht der Bezugstarife je Netzgebiet

Alle Fundstellen zuletzt geprüft am . Tarife, Fördersätze und Preise Dritter ändern sich; massgebend ist immer die verlinkte Quelle in ihrer aktuellen Fassung.

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  2. Pauschale Wirtschaftlichkeitsurteile entfernt („wirksamer als jede Batterie“, „grosse Speicher schneiden oft schlechter ab“) und durch den Vergleich mehrerer Varianten am selben Lastprofil ersetzt.